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Universitätsklinik für Augenheilkunde Direktor und Chefarzt: Prof. Dr. Dr. Sebastian Wolf Entzündungen der Augen Zu den entzündlichen Erkrankungen im Bereich der Augen gehören: Entzündungen der Augenumgebung und der Augenhöhle entzündliche Erkrankungen der Augenoberfläche, d.h. der Hornhaut (Keratitis) und der Bindehaut (Konjunktivitis) entzündliche Erkrankungen des Augeninneren (Uveitis) Entstehung Die häufigsten entzündlichen Erkrankungen der Augenumgebung sind vermutlich durch Bakterien verursachte Entzündungen der Lidränder und selten auch einmal Folge von Zecken und Läusen bei Kleinkindern. Viruserkrankungen der Augenumgebung, vor allem Herpes- (FieberbläschenVirus) und Varizella-Zoster-Virus (Windpocken- oder Gürtelrose-Virus) findet man in allen Altersgruppen. Erkrankungen der Augenhöhle sind sehr selten und meist eine Folge von Entzündungen der Nasennebenhöhlen. Bei dieser grundsätzlich lebensgefährlichen Entzündungserkrankung ist eine schwerste Sehbeeinträchtigung möglich. Ausserdem beobachtet man schwere chronische Entzündungskrankheiten der Augenhöhle auch bei Erkrankungen des Immunsystems („Rheumatische Erkrankungen“), vor allem infolge Schilddrüsenstörung (sogenannte endokrine Orbitopathie). Die häufigste entzündliche Erkrankung der Augenoberfläche ist die allergische oder Heuschnupfen-Bindehautentzündung. Virale Erkrankungen der Augenoberfläche stellen aber auch einen Grossteil der Ursachen für akute Augenrötungen dar, darunter insbesondere die epidemische Bindehautentzündung (Konjunktivitis epidemica). Detaillierte Informationen dazu siehe unter Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Die Herpes-Virus-Entzündung der Hornhaut (Herpes-Keratitis) stellt bei uns die häufigste entzündliche Erblindungsursache im Bereich der Hornhaut dar. Sie betrifft zunächst nur die Oberfläche, kehrt jedoch gerne wieder und Inselspital, Universitätsklinik für Augenheilkunde, CH-3010 Bern Telefon +41(0)31 632 25 01, Fax +41(0)31 382 47 79, www.augenheilkunde.insel.ch 2 von 3 dringt irgendwann einmal in die tieferen Schichten der Hornhaut ein, wo sie zu Narbenbildung und damit Sehverschlechterung führt. Die Entzündung der Augenoberfläche durch Chlamydien ist in unseren Breitengraden eine Seltenheit (Schwimmbad-Konjunktivitis), stellt jedoch in den ärmeren Ländern der Welt ein erhebliches Problem dar (Trachom). Sie ist neben der Flussblindheit (Onchozerkose) die häufigste Erblindungsursache. Dies ist deshalb besonders tragisch, da die Erkrankung sehr einfach zu behandeln wäre, wenn die noch nicht einmal sehr teuren Antibiotika, die zur Behandlung erforderlich sind, den bedürftigen Patienten zur Verfügung gestellt werden könnten. Selten einmal trifft man eine sexuell übertragene Chlamydien-Infektion im Bereich der Augen. Sie zu erkennen ist besonders wichtig bei Neugeborenen, da dort das Risiko schwerer bleibender Sehstörungen hoch ist. Gleiches gilt auch für bestimmte bakterielle Infektionen, die im Geburtskanal erworben werden können, darunter auch die Gonorrhoe (Tripper). Im Übrigen sind bakterielle Infektionen der Augenoberfläche bei kleineren Kindern bis Ende des dritten bis vierten Lebensjahres nicht ungewöhnlich und relativ ungefährlich. Zumeist handelt es sich um Bakterien, die bei kleinen Kindern normalerweise in den oberen Atemwegen vorhanden und entlang der Tränenkanälchen an die Oberfläche gelangt sind, wo sie zu massivsten eitrigen Entzündungen führen. Diese beeinträchtigen typischerweise das Sehen und Wohlbefinden der Kinder jedoch erstaunlich wenig. Bei den entzündlichen Erkrankungen des Augeninneren (Uveitis) unterscheidet man je nach Schwerpunkt der Entzündungsaktivität eine vordere und eine hintere Uveitis. Die vordere Uveitis oder auch Regenbogenhaut-Entzündung ist die häufigste Entzündung des Augeninneren und kann grundsätzlich zu schwerster Sehbeeinträchtigung führen, vor allem durch Verkleben der Pupille, so dass eine sofortige Behandlung unbedingt zu empfehlen ist. 3 von 3 Die hintere Uveitis ist am häufigsten durch Erreger verursacht, die bereits lange im Körper sind (z.B. Toxoplasmen), oder Folge rheumatischer bzw. immunologischer Erkrankungen mit einer Störung des Immungleichgewichts im Auge. Bereits minimale entzündliche Veränderungen führen zu schweren Sehstörungen, da jede einzelne Entzündungszelle vor der Netzhaut zu störenden Schatten (Mücken vor dem Auge) führt. Eine bleibende Sehbeeinträchtigung ist immer dann zu erwarten, wenn die Netzhaut-Mitte betroffen ist, entweder direkt durch die Entzündung oder durch eine Gewebsschwellung der Netzhaut infolge der Entzündung. Um das Risiko bleibender Sehrstörungen möglichst gering zu halten, ist eine rasche klinische Untersuchung notwendig, meist gefolgt von ausgiebigen Laboruntersuchungen. Die Therapie richtet sich im Wesentlichen nach der Ursache der Erkrankung. Fast immer ist jedoch auch bei infektiösen Erkrankungen eine Cortison- oder andere entzündungshemmende Therapie notwendig. Bei unklarer Diagnose oder zur Abschätzung des Risikos, dass die Erkrankung wiederkehrt, können Untersuchungen der Augeninnen-Flüssigkeiten hilfreich sein, insbesondere von Vorderkammerwasser, welches ohne grosse Belastung für die Patienten bei der Untersuchung abgenommen werden kann. Eine definitive Diagnosestellung gelingt trotz aller Bemühungen heutzutage in höchstens einem Drittel der Fälle. Wichtiger als die definitive Klärung der Ursache der Erkrankung ist jedoch die Wahl der richtigen therapeutischen Massnahmen und der Ausschluss von Erkrankungen, die für das Sehen oder Wohlbefinden des Patienten gefährlich sind.